Solidarität mit dem Widerstand in Rojava

Die Menschen in der kurdischen Stadt Kobane, welche von den IS-Dschihadisten belagert wird, sind in einer verzweifelten Lage. Die UNO warnt vor „groben und grausamen Verletzungen der Menschenrechte“ und die Kurden fürchten einen Völkermord. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG / YPJ) führen einen erbitterten Kampf gegen die reaktionären Fundamentalisten. Trotzdem erhalten die Kurden in Rojava (Westkurdistan, Syrien) keine internationale Hilfe, obwohl die türkische Grenze direkt neben der Stadt liegt. Der türkische Präsident Erdogan schloss die Grenze und hindert die Guerilla-Kämpfer der PKK daran, den Einwohnern von Kobane zu Hilfe zu eilen. Auch die Luftangriffe der USA konzentrieren sich auf den Irak. US-Präsident Obama erklärte, die USA und ihre Verbündeten würden den Islamischen Staat (IS) zerstören und deshalb die „gemässigten syrischen Rebellen“ unterstützen. Doch die kurdischen Guerilla-Kämpfer der YPG und der PKK erhalten keine Hilfe, sondern sind im Westen und der Türkei verbotene „Terrororganisationen“. Obwohl, oder gerade weil, sie die einzigen politischen Kräfte in Syrien sind, welche für die säkulare Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die Selbstbestimmung der Frauen kämpfen.

In Syrien setzt sich die Partei der Demokratischen Union (PYD) für die Interessen der Kurden ein. Als in Syrien der Bürgerkrieg begann, rief die PYD die Autonome Republik Rojava aus. In Rojava begann eine autonome Region zu entstehen, in welcher ethnische und religiöse Minderheiten geschützt sind, demokratische Strukturen aufgebaut werden und die Frauen gleiche Rechte erhalten. So wurde beispielsweise eine Frauenquote von 40% in der Verwaltung beschlossen. Da der syrische Bürgerkrieg auf Rojava überzugreifen begann, wurden die Volksverteidigungseinheiten (YPG / YPJ) gegründet. Deren Ziel ist es, die Bevölkerung von Rojava zu schützen. Insbesonders viele Frauen schliessen sich den Guerilla-Einheiten an, denn die Frauen leiden am meisten unter dem Terror der Dschihadisten. Sie bilden einen eigenen Verband der Volksverteidigungseinheiten, die YPJ. Im Krieg zwischen dem syrischen Staat und den dschihadistischen „Rebellen“ blieb die YPG neutral. Der IS, welcher noch brutaler und reaktionärer ist, als die anderen Islamisten, führt jedoch einen Raubkrieg gegen die Menschen in Kurdistan. Als der IS einen Angriff auf die Siedlungen der Jesiden (kurdische Christen) im Irak startete und drohte alle Jesiden zu töten, griffen die Guerilla-Kämpfer der YPG und der PKK ein. Sie bildeten einen Fluchtkorridor für die Jesiden, damit retteten sie tausende Menschenleben. Nun marschierten die Massenmörder des IS in Rojava ein und belagern Kobane. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht und der Westen leistet den Widerstandskämpfern in Rojava keine Hilfe.

Das Siedlungsgebiet des kurdischen Volkes erstreckt sich über die Türkei, Syrien, Irak und Iran. In der Türkei werden die Kurden seit Jahrzehnten unterdrückt. Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) führte deswegen seit 1978 einen bewaffneten Volksaufstand gegen den türkischen Staat. Seit 2013 gibt es Friedensverhandlungen zwischen der PKK und Erdogan. Der türkische Präsident Erdogan, welcher eine Islamisierung der Gesellschaft gegen Innen und einen neo-osmanischen Imperialismus gegen Aussen anstrebt, hat den Islamischen Staat tatkräftig unterstützt. Der türkische Geheimdienst MIT lieferte den IS-Dschihadisten Waffen und deren Verwundete werden, im Gegensatz zu denen der Kurden, medizinisch behandelt. Bei Demonstrationen in der Türkei gegen Erdogans Unterstützung für den IS starben über 30 Menschen. Es ist nicht überraschend, dass Erdogan, der in seiner Jugend selbst in islamistischen Gruppen aktiv war, seine Gesinnungsgenossen nicht fallen lässt. Es scheint Erdogans Plan zu sein, den IS ein Gemetzel unter den Kurden anrichten zu lassen und sobald der kurdische Widerstand geschwächt ist, selbst in Rojava einzumarschieren. Denn die autonomen Gebiete Kurdistans sind ihm einen Dorn im Auge. Auch die USA scheinen weniger an der Hilfe für die vom IS bedrohten Kurden interessiert zu sein, als daran das Gemetzel, welches die IS-Dschihadisten in Kurdistan verursachen, dazu zu nutzen, ihren Einfluss in der erdölreichen Region zu vergrössern. Der US-Imperialismus hat mit dem Krieg im Irak und der Bewaffnung der dschihadistischen Fundamentalisten, dieses Elend selbst herbeigeführt. Im Krieg gegen den Irak 2003 hat die NATO das Land in Schutt und Asche gebombt und das Chaos verursacht, welches das Entstehen des IS möglich machte. Die Bilder der gefolterten Sunniten aus Guantanamo und Abu Ghuraib bildeten den Nährboden für den Hass der IS-Dschihadisten. Die Verbündeten der USA, im Kampf gegen den IS, sind die reaktionären Regime in Saudi-Arabien und Katar, welche den islamistischen Fundamentalisten weltweit als Inspirations- und Finanzierungsquelle dienen. Um den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen, haben sie die Islamisten gefördert und einen Bürgerkrieg entfacht. Nun dient dieses Elend den Kriegstreibern in Washington ein weiteres Mal als Argument für eine militärische Intervention, in einer „strategisch wichtigen Region“. Es geht den USA also wieder ein Mal um Erdöl. Die Kurden sollten sich keine Hoffnung auf eine ausländische Intervention machen, weil eine Invasion das Ende der Autonomie von Rojava bedeuten würde. Dem kurdischen Widerstandskampf kann nur durch Waffenlieferungen an die Volksverteidigungseinheiten YPG / YPJ geholfen werden. Das ausgerechnet die NATO eine antikapitalistische Revolution unterstützt ist jedoch fast ausgeschlossen.

Trotz der verzweifelten Lage in Kobane und der ausgebliebenen Hilfe, leisten die YPG und die YPJ erbitterten Widerstand gegen den IS. Die Volksverteidigungseinheiten erklärten, dass sie drei Angriffe auf Kobane zurückgeschlagen haben. Ein kurdischer Freiheitskämpfer sagte, dass Kobane „zum Stalingrad der Dschihadisten“ werden wird.

Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf in Rojava und der YPG / YPJ