Binz bliibt Binz - Einige Worte zum Samstag!

Am Samstag Abend setzten wir uns gemeinsam mit tausenden anderen in einer wilden und bunten Rollerdisco von der Binz aus in Bewegung. Die Vorbereitungen für dieses rollende Fest dauerten Wochen, involviert waren unterschiedlichste Leute und Organisationen. So gab es dann auch eine Vielzahl von Wägen und Mobilen zu bestaunen, die alle liebevoll geschmückt waren: Sie trugen mit Sound, Lasershow, fahrenden Bars und einer Putzequipe zur ausgelassenen Stimmung bei. Aber wir feierten nicht bloss ein Strassenfest, sondern kämpften auch für den Erhalt des besetzten Binzareals, für die Aneignung von Raum und gegen die Aufwertungs- und Vertreibungspolitik in der Stadt.

Die Bullen, die mittlerweile mit mehreren Fahrzeugen aufgefahren waren, wurden am Manesseplatz rechts liegen gelassen und mit einer Änderung der Route umgangen. Bei der Schmiede Wiedikon war ein Ausweichen vor der direkten Konfrontation jedoch nicht mehr möglich: Die Bullen griffen den Umzug frontal mit Gummischrot, Tränengas und einem Wasserwerfer an. Obwohl dadurch das Auslösen einer Massenpanik bewusst in Kauf genommen wurde gelang es den Leuten zusammenzubleiben, währendem zur Verteidigung des Umzugs Barrikaden errichtet wurden. Zwei Faktoren führten dazu, dass der Umzug zu diesem Zeitpunkt nicht völlig aufgerieben wurde und sich die Leute in Panik zerstreuten: Einerseits die Weigerung der grossen Masse der Teilnehmer, sich durch die Repression verjagen zu lassen, andererseits die entschlossene Verteidigung, welche die Bullen auf Distanz hielt und dem Umzug die Gelegenheit gab, weiterzuziehen.

Wer dagewesen ist, weiss, wie sich der Abend abgespielt hat: Nicht eine Handvoll ¿Chaoten¿ haben eine Party unterwandert und zerstört, sondern unterschiedlichste Kräfte haben auf ihre eigene Art zusamengewirkt, um den Umzug durchzusetzen. Es war möglich, von Anfang bis zum Ende zu tanzen und zu feiern, trotz des Tränengases, welches immer wieder in Augen und Lungen zu spüren war. Doch das war gerade auch deswegen möglich, weil die Bullen von anderen davon abgehalten wurden, das Strassenfest einfach zu zerschlagen.

Die Medien versuchen das alte Spiel zu spielen: Spaltung in das Gute, vielleicht etwas naive Partyvolk und die bösen, unpolitischen Chaoten. Die Tatsache, dass wir uns an diesem Abend eben nicht spalten liessen und so unterschiedlichste Formen möglich waren, das wollen oder können sie nicht verstehen. Wenig überraschend spielen auch die Vertreter der offiziellen Politik dieses Spiel mit. So redet die Juso von ¿ein paar Dutzend gewaltbereiter und dummer Chaoten, die ihrem destruktiven Zerstörungsdrang freien Lauf liessen¿ und die ¿Party gecrasht hatten¿. Natürlich erscheint in ihrem Communiqué kein einziges Wort der Kritik gegen die Bullen, die mit Tränengas, Wasserwerfer und Gummischrot auf ungeschützte Personen geschossen, und dabei mindestens eine Person schwer verletzt haben. Wie gesagt, wer vor Ort war, weiss, dass diese Spaltungsversuche absoluter Blödsinn sind. Selbstverständlich gehen auch die Organisatorinnen und Organisatoren der Binz nicht auf solche Spaltungsversuche ein und kritisieren vielmehr die Bullen für ihre Angriffe auf die feiernden und demonstrierenden Leute.

Die Frage, ob wir alles, was passiert ist, gut finden erübrigt sich. Wir erheben nicht den Anspruch, eine Demo von tausenden von Leuten zu kontrollieren. Die Demo war wild und unkontrolliert - wie es auch die Binz ist. Eine Massendynamik, die weit über tausend Menschen umfasst, wird nie dem Wunsch jedes Einzelnen entsprechen und vielfältig in ihren Formen und Inhalten bleiben. Wichtig ist für uns, dass folgende grundsätzliche Elemente enthalten waren: Wie gesagt, waren wir am Samstag Abend wild und unkontrolliert. Wir waren aber auch kreativ und erfindungsreich. Wir liessen uns nicht verjagen, wehrten uns gemeinsam gegen die Angriffe und liessen uns vor allem nicht spalten. Während die einen Barrikaden errichteten, tanzten die anderen im Tränengas. Während einer ein Bier trank, sprayte eine andere Parolen an die Wände. War es ein fest, war es eine Demo, war es eine Revolte? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich war es von allem ein bisschen. A¿uf jeden Fall war es wohl nicht nur für uns ein Sprung in unbekannte Gewässer.

Lasst uns schwimmen gehen!

Revolutionäre Jugend Zürich - organisiert kämpfen!