Geschichte der Bildung

Die Bildung war schon immer ein Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse. So wurde zum Beispiel im antiken Griechenland das Schreiben und Lesen erst wichtig, als der Staat sich zu entwickeln begann. Das bedeutete, dass nun vermehrt Leute ausgebildet wurden, die nicht nur die Kunst des Soldatseins, sondern eben auch Rechnen und Schreiben beherrschen mussten, um den Staatsbetrieb aufrecht erhalten zu können. Also veränderte sich mit den gesellschaftlichen Verhältnisse auch die Bildung und Erziehung. Aus dem Soldaten- und Armeestaat entwickelte sich ein Bürokratiestaat. Parallel dazu entwickelte sich aus der hierarchischen Soldatenausbildung eine schulische Allgemeinbildung. Im Faschismus dagegen war die Erziehung zum Beispiel stark militärisch und hierarchisch gegliedert. Dies aus den Gründen, dass die Leute einerseits in das neue Menschenbild passen mussten, andererseits gehorsam und treu in das (Militär-)Regime eingeordnet werden konnten.

In der Geschichte gibt es unzählige weitere Beispiele dafür, dass die Bildung jeweils der Gesellschaft entspricht, in der sie zuhause ist. Diese Erkenntnis ist aber nicht nur aus der Erfahrung heraus belegbar, sondern auch theoretisch begründbar. Ein System muss sich selbst immer wieder reproduzieren. Wie oben gesagt braucht zum Beispiel der Faschismus treue Soldaten einerseits und eine sich nicht beklagende Bevölkerung andererseits, um überleben zu können. Oder der griechische Staat braucht Gelehrte, um den Staatsbetrieb aufrecht erhalten zu können. Die Bildung muss also jeweils das System reproduzieren und ändert sich dabei jeweils mit Änderungen des Systems.

Heute leben wir im Kapitalismus und das Bildungssystem richtet sich dabei nach diesem. Wie der Kapitalismus, baut auch die Bildung auf einem Konkurrenzsystem auf. Das Ziel der Bildung im Kapitalismus ist nicht, möglichst viel Wissen zu vermitteln, sondern die Menschen in bildungsmässige Schubladen zu stecken. Aus diesen kann dann die Wirtschaft bequem die Leute auswählen, die sie gerade benötigt. Was das bedeutet und welche Aspekte dieses kapitalistische Bildungswesen aufweist, soll in den nächsten Kapiteln aufgezeigt werden.