Egoismus

Macht man Politik, wie wir das tun, dann hört man öfter mal Aussagen wie diese: "Ich finde es ja schön und gut, was ihr da fordert. Aber leider kann das nicht funktionieren, dafür sind die Menschen einfach zu egoistisch. Schlussendlich schaut doch jeder nur für sich". Ein ziemlich schlechtes Bild, das da einige Leute von uns Menschen haben, aber ist es wirklich so? Sind wir nicht in der Lage eine bessere Gesellschaft zu schaffen, weil wir alle egoistische Arschlöcher sind, die einander ständig gegenseitig ausstechen wollen?

Egoist von Natur aus?

Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich ganz danach aus. Viele Menschen lassen nichts unversucht, um an mehr Geld oder Ansehen zu kommen und oft kümmert es sie nicht, wie es Anderen dabei geht. Doch warum tun sie das eigentlich? Tut der Jugendliche, der einem Gleichaltrigen eine Lehrstelle wegschnappt, das tatsächlich weil er ihm diese nicht auch gönnen würde? Tut er es nicht eher, weil er selbst Angst vor Arbeitslosigkeit hat und es sich darum einfach nicht leisten kann, seine Lehrstelle jemandem anderen zu überlassen. Oder wenn eine Angestellte jemandem bei einer freien Wohnung zuvor kommt, macht sie das dann nicht, weil sie selbst ein Dach über dem Kopf braucht?

Wir sehen also, dass sich die Menschen nicht deshalb egoistisch verhalten, weil sie von Natur aus so sind, sondern weil sie dazu gezwungen sind, so zu handeln, wenn sie in dieser Gesellschaft nicht unter die Räder kommen wollen. In der kapitalistischen Gesellschaft steht das Prinzip der Konkurrenz und des Wettkampfs über allem. Die Arbeitenden konkurrieren miteinander um Jobs, die Unternehmen konkurrieren um Marktanteile und die Staaten um Einfluss in der Welt. Wer dabei schlechter abschneidet als die Konkurrenz, bleibt auf der Strecke.

Das Problem sind deshalb nicht die schlechten Menschen, welche die eigentlich gute Gesellschaft versauen, sondern die schlechte Gesellschaft, welche die Menschen zu Egoisten macht. Denn in dieser Gesellschaft ist Egoismus etwas, mit dem man es weit bringen kann. Geld und Ansehen kann durch Egoismus erreicht werden und auch wenn man das nicht schafft, ist man doch durch die Lebensumstände immer wieder gezwungen, sich egoistisch zu verhalten.

Es geht auch anders

Dass es auch anders geht, liegt für uns auf der Hand. Da die Menschen deshalb nur für sich schauen, weil sie dazu gezwungen sind, muss es für uns darum gehen, diese Zwänge abzuschaffen. Eine Gesellschaft, in der Zusammenarbeit und Solidarität entscheidend sind für das Vorwärtskommen und nicht wie gut man sich gegen Konkurrenten durchsetzen kann, hat keinen Egoismus nötig. Im Kapitalismus ist Egoismus nicht nur ein Vorteil, sondern sogar notwendig. In einer Gesellschaft, wie wir sie uns vorstellen, ist Egoismus ein Hindernis für einem selber und die ganze Gesellschaft. Das bedeutet, dass man die heutige Gesellschaft ändern muss, welche die Menschen zu Egoisten macht.

Dass die Menschen selbst genug Vernunft besitzen, um in einer besseren Gesellschaft leben zu können, davon gehen wir aus. Das merkt man nur schon daran, dass die Leute, die behaupten, die Menschen seien zu schlecht für eine bessere Gesellschaft, sich selbst stets als Ausnahme ansehen. Meist lautet der Gedanke "Ich finde das ja toll, aber die Anderen würden sich nicht daran halten." Nur, wenn das alle sagen, bleiben nicht besonders viele übrig, die als skrupellose Egoistennaturen geboren wurden.

Ausserdem sieht man schon in der jetzigen Gesellschaft, die so sehr auf Konkurrenz setzt, überraschend viele Beispiele für unegoistisches Verhalten. Die Milliardenbeträge an Spendengeldern, die Tausenden von Freiwilligen, die sogar hierzulande nach einem Hochwasser helfen, ohne jemals etwas dafür zu bekommen oder das unentgeltliche Engagement in Vereinen, Stiftungen oder sonstigen Organisationen sind nur wenige Beispiele dafür, dass die Menschen durchaus anders könnten, wenn nur die richtigen Vorraussetzungen dafür gegeben wären.