Was heisst hier eigentlich revolutionär?


RJZ steht für Revolutionäre Jugend Zürich. Die RJZ begreift sich also als revolutionär. Doch was heisst überhaupt revolutionär, was bedeutet das konkret für uns und was ist überhaupt eine Revolution?

Was ist eine Revolution?

Unter einer Revolution versteht man die grundlegende Umwälzung der ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Das heisst, dass die ganze Gesellschaft auf den Kopf gestellt wird. Es geht also nicht darum, dass nur einzelne Bereiche des gesellschaftlichen Lebens umstrukturiert werden, also nur Korrekturen im selben System und unter denselben Herrschaftsverhältnissen vorgenommen werden, sondern dass die Gesellschaft und die Herrschaftsverhältnisse als ganzes umgestaltet werden. Es soll nicht bloss ein Gesetz eingeführt oder geändert werden, sondern die Gesellschaft in ihren Wurzeln verändert werden.

Ein Beispiel für eine Revolution war die Französische Revolution im Jahr 1789. Vor dieser Revolution war die Gesellschaft in Frankreich eine feudale und absolutistische. Das heisst, dass es den König mit dem Adel gab, der über sämtliche Dinge entscheiden konnte. Er steuerte die Wirtschaft, bestimmte die Gesetze, führte Krieg und so weiter. Nach der Revolution war die Macht jedoch beim Bürgertum. Nun bestimmte das Parlament, welches das Bürgertum vertrat, die Gesetze. Die Wirtschaft wurde von den Kapitalisten und den Händlern in der "Marktwirtschaft" ohne den Adel bestimmt. Vor der Französischen Revolution waren Bauern Eigentum von adligen Feudalherren, danach konnten sie selbst wählen, für wen sie arbeiten wollten. Bestimmend waren neu die Gesetze des freien Marktes. Der gesamte feudale Staat und die ganze absolutistische Gesellschaft wurden auf den Kopf gestellt: Der Aufbau des Staates und die Machtverhältnisse änderten sich, die ganze wirtschaftliche Produktionsweise, das Erziehungswesen, das Menschenbild, der Justizapparat und so weiter wurden von Grund auf erneuert.

Was wir aber nicht als Revolution verstehen, war zum Beispiel die so genannte "Orange Revolution" in der Ukraine 2004. Es wurde nur ein neuer Präsident unter den gleichen gesellschaftlichen Bedingungen gewählt: Weder das politische noch das ökonomische System haben sich grundlegend geändert. An der Oberfläche hat es einige Veränderungen gegeben aber von einer tief greifenden Umwälzung der ukrainischen Gesellschaft kann keine Rede sein.

Revolution heute

Wenn wir von Revolution reden, meinen wir eine grundlegende Revolution wie die Französische. Sie hat die Grundlagen für unsere heutige Gesellschaft, den Kapitalismus, gelegt. Mit einer neuen Revolution wird die Grundlage für eine Gesellschaft gelegt, die die Schranken und Widersprüche der jetzigen Gesellschaft überwunden hat. Selbstverständlich bedeutet eine Revolution nicht, dass alle Probleme und Widersprüche auf einen Schlag gelöst werden, denn diese wurden ja während des Bestehens der kapitalistischen Gesellschaft tief verankert. Sie legt nur den Grundstein für die Entwicklung einer anderen Gesellschaft. Mit einer Revolution wird der Rahmen aufgebrochen, in den die Menschen vorher gezwängt waren.

Nach der Französischen Revolution war es auf einmal nicht mehr selbstverständlich, dass einem der König sämtliche Dinge vorschreibt. Und stellen wir uns die Möglichkeiten vor, wenn auf einmal nicht mehr an jeder Ecke Geld gespart werden muss und die Sachzwänge der Wirtschaft nicht mehr unser ganzes Leben bestimmen. Nach einer ersten Revolution, die die Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft grundlegend ändert, würden mit einem Mal Möglichkeiten offen für unzählige kleine Revolutionen in allen Lebensbereichen, ob in der Erziehung, der Wirtschaft, der Umwelt oder sonstwo.

Revolutionäre Politik

Revolutionäre Politik zu machen, bedeutet für uns natürlich, auf eine Revolution hinzuarbeiten. Unsere Politik ist auf einen grundsätzlichen Umsturz ausgerichtet, weil nur so wirklich tiefgreifende Veränderungen möglich sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht auch ganz alltägliche Veränderungen anstreben. Wir unterstützen jede Forderung nach mehr Lohn, günstigeren ZVV-Preisen oder längeren Ferien. Und wir sind gegen jede Mieterhöhung oder Kürzung der Sozialhilfe. Wir unterstützen jeden noch so kleinen Kampf um bessere Lebensbedingungen der Menschen und bekämpfen alle Verschlechterungen konsequent.

Gerade die kleinen und grösseren Kämpfe die geführt werden, sehen wir als sehr wichtig und unterstützenswert an. In diesen Kämpfen können die Menschen Erfahrungen sammeln und aus Erfolgen und Misserfolgen lernen. Aus einem Streik oder einem Kampf gegen Bildungsabbau lernt man mehr als aus jedem Flugblatt. Als revolutionäre Gruppierung versuchen wir deshalb, an diesen kleinen Kämpfen anzusetzen und daraus aufzuzeigen, dass viel mehr möglich ist.