Was ist politisch?

Auf diese Frage gibt es eine offizielle Antwort: Parlamentarische Debatten, Staatskundeunterricht, Arena-Sendungen und weitere Dinge, die wohl nicht nur uns eher langweiligen. Mit einer anderen Art der Politik, die sich auf Formen wie Demos oder Streiks oder stützt, können wir uns dagegen eher identifizieren. Aber sind diese eher klassischen Formen linker, revolutionärer Politik die einzigen, die wir uns vorstellen können? Natürlich nicht, denn immer wieder finden politische Bewegungen neue Formen, um ihre Inhalte auszudrücken. Aber diese Formen werden anfangs oft kritisch beäugt oder es wird ihnen der politische Inhalt abgesprochen. Nicht nur von vielen Medien, der offiziellen Politik oder seltsamen Experten, was kaum zu überraschen mag. Auch linke oder sogar revolutionäre Organisationen stehen neuen Formen oft ablehnend gegenüber, da sie nicht ins traditionelle Schema passen.

Illegale Strassenpartys, „Reclaim the Streets“ oder sogenannte Tanzdemos halten wir für eine solche neue Form, die in den letzten Jahren auf der Strasse entwickelt wurde. Die Binz-Demo, die Partys und Auseinandersetzungen am Bellevue und Central vor einem guten Jahr und die Party in der Kurzbesetzung in Hottingen sind nur einige Beispiele dafür. In den Medien war von naiven Jugendlichen die Rede, die nur Party machen wollen, denen es langweilig ist oder einfach nur zu gut gehe. Und natürlich wissen sie alle nicht was sie tun. Die offizielle Politik fand noch deutlicher Worte; von „dummen Chaoten“ redeten beispielsweise die Sozialdemokraten.

Wir haben eine völlig andere Einschätzung von diesen Ereignissen. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir im Gegensatz zu den erwähnten Leuten tatsächlich vor Ort waren. Viele mit denen wir sprachen, hatten ziemlich genaue Vorstellungen und Gründe wieso sie dort waren. Egal ob es ihnen um kulturelle Freiräume ging, um Wut auf die Bullen und die Politik der Stadt oder sie ein ganz allgemeines Gefühl hatten, dass mit dieser Gesellschaft einiges nicht stimmt –unpolitisch war von ihnen niemand! Das zeigte sich gerade auch daran, wie sich die Leute verhielten, als die Bullen diese Anlässe angriffen. Sie liesse sich nicht einfach verjagen und leisteten jeweils auf ihre Weise Widerstand. An der Binz Demo tanzten tausende trotz Tränengas und Gummischrot weiter, halfen Barrikaden zur Abwehr zu errichten oder tranken weiter ihr Bier. Natürlich hatten nicht alle das gleiche Bewusstsein, aber man war gemeinsam auf der Strasse, half sich gegenseitig und liess ich gemeinsam nicht einfach verjagen. Für uns waren diese Anlässe jedenfalls einige der politischsten, die wir in den letzten Jahren erlebt haben. Gerade wegen ihrer Massenhaften Beteiligung und ihren unterschiedlichsten Formen und Inhalten.

Da, wo sich in letzter Zeit solche neuen Formen zu entwickeln begannen, waren wir präsent und nahmen an den Entwicklungen teil. Wir wurden oft gefragt, ob wir alles gut gefunden hätten, was da oder dort passiert ist – Aber diese Frage ist falsch gestellt. Zentral an solchen neuen Formen ist, dass sie nicht nach Plan entstehen und meist auch nicht von einer Organisation oder Gruppe aus initiiert werden. Natürlich hätten auch wir teilweise auch andere Vorstellungen, aber wir haben auch nicht den Anspruch die Dynamik der neuen Formen zu kontrollieren. Vielmehr möchten wir uns, mit euch zusammen, an der Entwicklung solcher neuen Formen beteiligen. Ohne ein gemeinsames Experimentieren geht das jedoch nicht und das schliesst unterschiedliche Ansichten, Erfolge und Fehler mit ein.

Wohin sich die neuen Formen, die in den letzten Jahren entstanden, entwickeln werden, können wir nicht sagen. Aber wir laden jeden und jede dazu ein, es gemeinsam mit uns herauszufinden. Wie wir in einem Flugblatt zur Binz-Demo geschrieben haben: War es ein Fest, war es eine Demo, war es eine Revolte? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich war es von allem ein bisschen. Auf jeden Fall war es wohl nicht nur für uns ein Sprung in unbekannte Gewässer.

Lasst uns schwimmen gehen!

Revolutionäre Jugend Zürich – Organisiert kämpfen!