Generation : Kei Illusione!

Über „unsere Generation“ kann man in den Medien allerlei Interessantes lesen: Wir seien unpolitisch, würden nicht wählen gehen, seien desinteressiert am Weltgeschehen, würden uns nicht gesellschaftlich engagieren und kauften keine Fair-Trade-Bananen mehr. Kurz - wir würden uns nur noch für uns selbst interessieren. Wir dagegen sagen: Unsere Generation hat keine Illusionen mehr. Was meinen wir damit?

Wir haben Jahrzehnte lang gesehen, dass es nichts ändert, „linke“ Parteien zu wählen. Denn sind sie einmal an der Macht, unterscheidet sich ihre Politik auch nicht mehr von den Rechten. Sie werden ins System integriert und unterscheiden sich kaum von denen, die sie früher kritisierten. Viele aus der Generation nach 68 dachten, dass man sich aus der Gesellschaft ausklinken und im Kleinen ein ganz anderes Leben führen könne. Heute ist der grösste Teil dieser Kommunen zusammengebrochen und die wenigen, die immer noch existieren, haben kaum irgendeine gesellschaftliche Relevanz. Jedenfalls hat eine solche Alternative kaum mehr als eine handvoll Menschen gewinnen können. In den letzten Jahren kam die Idee auf, dass man als Konsument mittels seiner Kaufentscheidungen die Konzerne beeinflussen und so die Gesellschaft verändern könnte. Bisher haben allerdings bloss einige Leute ihr schlechtes Gewissen mit dem Kauf von Fair-Trade Produkten beruhigt. Die Gesellschaft aber ist immer noch die Gleiche. Nach der Zürcher 80er Bewegung versuchten viele ehemalige Aktivisten ein alternatives Kulturangebot aufzubauen. Heute sind viele dieser Versuche völlig kommerzialisiert und diejenigen, welche früher auf die Strasse gingen, lassen heute besetzte Häuser räumen.

Kein Wunder also, hat unsere Generation das Vertrauen in solche Konzepte weitgehend verloren. Aber ist das wirklich so schlimm? Wir denken nicht, denn wir sehen diesen Verlust von Illusionen durchaus als Chance an. Denn wieso sollten wir auch alten Illusionen nachhängen, die ohnehin nirgends hinführen? Klar verlieren wir das Interesse daran, Parteien zu wählen, welche sich kaum unterscheiden, nur weil man das als anständiger Staatsbürger halt so macht. Aber mit diesem Verlust an Illusionen geht es auch einher, dass sich unsere Generation neue Formen der Politik und ganz andere Inhalte sucht. Genauso führt auch das Aufgeben der Vorstellung, man könne ein kaputtes System hier und da etwas ausbessern, dazu, dass der Weg frei wird für den Versuch einer grundsätzlichen Umwälzung.

So machen wir in unserer alltäglichen politischen Arbeit keineswegs die Erfahrung, dass unsere Generation allgemein desinteressiert wäre. Im Gegenteil stösst unser Konzept einer langfristig ausgelegten und revolutionären Politik bei vielen auf grosses Interesse, was auch dazu führte, dass sich in den vergangen Jahren immer mehr Leute bei uns organisierten. Aber nicht nur das: In ganz Europa verlieren immer mehr Menschen angesichts von Armut und Krise die Illusionen in das bestehende System und die offizielle Politik. Und überall entstehen auch Bewegungen, die auf der Suche nach neuen, revolutionären Ansätzen sind. Denn das wir keine Illusionen mehr haben, bedeutet nicht, dass wir keine Perspektive mehr haben! Wir sehen diese Perspektive nur nicht mehr innerhalb dieses Systems und wir sehen sie auch nicht in den alten politischen Formen. Wir sehen sie in den unterschiedlichen Kämpfen unserer Generation, in den neuen politischen Formen, die dabei entstehen und deren Entwicklung wir mittragen wollen und wir sehen sie nicht zuletzt in einer Organisierung, welche alte Illusionen hinter sich lässt und sich gleichzeitig für neue Perspektiven öffnet.

Null Illusione – Ei Perspektive – Revolution!